Der Jüdische Friedhof in Schwarzrheindorf

Neulich habe ich an einem Stadt-Spaziergang teilgenommen.

So nennt Rainer SELmanN seine Führungen durch Bonn.

Die Führung ging über einen Fried-Hof:

den Jüdischen Friedhof in Schwarzrheindorf.

Er liegt ganz nah am Beueler Rhein-Damm:

etwa zwischen der Doppel-Kirche und der Nord-Brücke.

Man findet leider kein Hinweis-Schild zum Friedhof.

Rad-Fahrer und Fuß-Gänger bemerken aber bestimmt den Stein mit der Inschrift am Weg:

 

Der Friedhof ist eingezäunt.

Durch ein Tor kann man ihn betreten.

Tun Sie das aber bitte NICHT am Samstag.

Denn dann ist Sabbat, der jüdische Feier-Tag.

Über jüdische Vorschriften lernt man einiges bei der Führung.

Ich finde das sehr interessant.

Hier der Blick über einige Gräber Richtung Osten.

 

Die Grab-Inschriften sind bei den alten Gräbern auf Hebräisch.

Ganz oben finden sich meistens zwei Zeichen:  

פ"נ

פ"ט

Sie bedeuten:

Hier liegt begraben

Hier liegt geborgen

 

Der älteste Grab-Stein in Schwarzrheindorf ist aus dem Jahr 1623.

Wahrscheinlich ist der Friedhof etwa so alt.

Auf dem nächsten Foto sehen Sie diesen Stein.

Er sinkt immer mehr in den Boden ein.

Vor 20 Jahren ragte er etwa einen halben Meter höher aus der Erde.

So versinken die Gräber langsam.

Auf dem Schwarzrheindorfer Friedhof wird niemand mehr bestattet.

Der Friedhof steht unter Denkmal-Schutz.

Die Stadt Bonn sorgt dafür, dass er nicht völlig zuwächst.

 

Rainer SELmanN erzählt viel Interessantes bei seiner Führung.

Zum Beispiel über Tod und Bestattung bei den Juden.

Eine wichtige Vorschrift dabei lautet:

Man soll einen Menschen an seinem Todes-Tag bestatten.

Nun muss man sich vorstellen:

200 Jahre lang gibt es in Bonn nur den Jüdischen Friedhof in Schwarzrheindorf:

nämlich im 17. und 18. Jahrhundert.

Alle Juden werden dort bestattet.

Auch die von der Bonner Rhein-Seite.

Und es gibt keine Brücke über den Rhein.

Oft ist es schwierig,

einen Verstorbenen auf die Beueler Rhein-Seite zu bringen.

Manchmal ist es sogar lebensgefährlich:

mit dem Boot bei stürmischem Wetter auf dem Rhein

oder im Winter zu Fuß, wo man jederzeit einbrechen kann.

Mehr Infos über die Bestattung bei den Juden finden Sie hier.

 

Nun noch etwas zu den Symbolen auf den Grab-Steinen.

Auf einigen Grab-Steinen findet man die segnenden Hände.

Hier ein Beispiel:

Die segnenden Hände bedeuten:

Der oder die Verstorbene gehört zum Priester-Stamm.

Die Priester segnen ihre Gemeinde mit dieser besonderen Hand-Haltung.

Das hebräische Wort für Priester lautet: Kohen.

Die Mehrzahl davon: Kohanin.

Den Namen Kohen oder Cohen findet man sehr oft bei Juden.

Auch in anderer Schreib-Weise.

 

Ein anderes Symbol ist die Kanne.

Sie bedeutet:

Der oder die Verstorbene gehört zu Stamm der Levi.

Man nennt sie die Leviten.

Sie helfen dem Priester beim Gottes-Dienst.

Sie waschen dem Priester zur Vorbereitung die Hände.

Deshalb die Wasser-Kanne als Symbol.

 

Foto unten: Reinhard Hauke (Reinhardhauke, Wikipedia)

 

Bei der Führung erfährt man auch etwas über einige der Menschen,

die auf dem Friedhof begraben liegen.

Zum Beispiel über Dr. Moses Wolff.

Er ist im Jahr 1802 gestorben.

Dr. Moses Wolff war der Leib-Arzt von Bonner Kurfürsten Clemens August:

also der persönliche und vertraute Arzt.

Er war einer der wohlhabendsten Bonner zu seiner Zeit.

Er unterstützte die ärmeren Juden in Bonn, wo er nur konnte.

Mehr über Dr. Moses Wolff erfahren Sie hier.

 

 

Hier finden Sie mehr Infos und Bilder zum Jüdischen Friedhof in Schwarzrheindorf.

Termin für den nächsten Stadt-Spaziergang über den Jüdischen Friedhof:

Sonntag, 11. September, 16 Uhr

Hier gibt es mehr Infos zu den Stadt-Spaziergängen.

 

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