Der Jüdische Friedhof in Schwarzrheindorf


Kennen Sie den Jüdischen Friedhof in Schwarzrheindorf?

Er liegt am Beueler Rhein-Damm:

zwischen der Doppel-Kirche und der Nord-Brücke.

Man findet leider keinen Hinweis.

Aber am Weg steht diese Tafel:

 

Der Friedhof ist eingezäunt.

Durch ein Tor kann man ihn betreten.

Bitte NICHT am Samstag!

Samstag ist Sabbat, der jüdische Feier-Tag.

Hier der Blick über einige Gräber Richtung Osten.

 

 

Die Grab-Inschriften sind bei den alten Gräbern auf Hebräisch.

Ganz oben finden sich meistens zwei Zeichen:  

פ"נ

פ"ט

Sie bedeuten:

Hier liegt begraben

Hier liegt geborgen

 

 

Der älteste Grab-Stein in Schwarzrheindorf ist von 1623.

Wahrscheinlich ist der Friedhof etwa so alt.

Auf dem nächsten Foto sehen Sie diesen Stein.

Er sinkt immer mehr in den Boden ein.

Vor 20 Jahren ragte er etwa einen halben Meter höher aus der Erde.

So versinken die Gräber langsam.

Hier wird niemand mehr bestattet.

Der Friedhof steht unter Denkmal-Schutz.

Die Stadt Bonn sorgt dafür, dass er nicht völlig zuwächst.

 

 

Ich habe mal eine Führung über den Friedhof mitgemacht.

Die nächste Führung ist am 8. September.

Hier gibt es mehr Infos dazu.

 

Man erfährt viel bei diesen Führungen.

Zum Beispiel über Tod und Bestattung bei den Juden.

Eine wichtige Vorschrift dabei lautet:

Man soll einen Menschen an seinem Todes-Tag bestatten.

Nun muss man sich vorstellen:

200 Jahre lang gibt es in Bonn nur den Jüdischen Friedhof in Schwarzrheindorf:

nämlich im 17. und 18. Jahrhundert.

Alle Juden werden dort bestattet.

Auch die von der Bonner Rhein-Seite.

Und es gibt keine Brücke über den Rhein.

Oft ist es schwierig,

einen Verstorbenen auf die Beueler Rhein-Seite zu bringen.

Manchmal ist es sogar lebensgefährlich:

mit dem Boot bei stürmischem Wetter auf dem Rhein

oder im Winter zu Fuß übers Eis.

Man kann jederzeit einbrechen.

Mehr Infos über die Bestattung bei den Juden finden Sie hier.

 

Nun noch etwas zu den Symbolen auf den Grab-Steinen.

Auf einigen Grab-Steinen findet man die segnenden Hände.

Hier ein Beispiel:

 

 

Die segnenden Hände bedeuten:

Der oder die Verstorbene gehört zum Priester-Stamm.

Die Priester segnen ihre Gemeinde mit dieser besonderen Hand-Haltung.

Das hebräische Wort für Priester lautet: Kohen.

Die Mehrzahl davon: Kohanin.

Den Namen Kohen oder Cohen findet man sehr oft bei Juden.

Auch in anderer Schreib-Weise.

 

Ein anderes Symbol ist die Kanne.

Sie bedeutet:

Der oder die Verstorbene gehört zu Stamm der Levi.

Man nennt sie die Leviten.

Sie helfen dem Priester beim Gottes-Dienst.

Sie waschen dem Priester zur Vorbereitung die Hände.

Deshalb die Wasser-Kanne als Symbol.

 

Foto unten: Reinhard Hauke (Reinhardhauke, Wikipedia)

 

 

Bei der Führung erfährt man auch etwas über einige der Menschen,

die auf dem Friedhof begraben liegen.

Zum Beispiel über Dr. Moses Wolff.

Er ist im Jahr 1802 gestorben.

Dr. Moses Wolff war der Arzt von Bonner Kurfürsten Clemens August.

Er war einer der wohlhabendsten Bonner zu seiner Zeit.

Er unterstützte die ärmeren Juden in Bonn, wo er nur konnte.

Mehr über Dr. Moses Wolff erfahren Sie hier.